Noch während der Instandsetzung der ersten Nakamichi 620 Endstufe erhielt ich von meinem Bekannten eine zweite Nakamichi 620 mit der Bitte, auch diese einer Überprüfung zu unterziehen.

Unterschied zum ersten reparierten Nakamichi 620

Es handelt sich beim zweiten Gerät um eine weitgehend baugleiche Endstufe, jedoch hier in der Ausführung ohne die lautsprecherseitige Schutzschaltung. Diese 620 ist also etwas älter als die zuerst betrachtete, die Schutzschaltung wurde erst im September 1977 von Nakamichi zum Gerät zugefügt.

Die Schutzschaltung soll die Lautsprecher im Fall des Defektes eines der Endstufentransistoren vor dem Durchbrennen bewahren. Sobald länger als 0,5-1s eine Gleichspannung an einem der Lautsprecherausgänge anliegt, werden die Lautsprecherausgänge über ein Relais kurzgeschlossen, was widerum die 5A-Sicherung im Lautsprecherkreis des 620 auslöst.

Der erste Blick in das Gerät

Beim Öffnen des Nakamichi 620 bot sich ein bekanntes Bild:

Gut sichtbar ist der bereits ausgelaufene Elko der Stromversorgung.

Bei diesem Gerät waren an den über den Elko liegenden Gehäuseschienen bereits stärkere Korrosionsspuren entstanden (geöffnet steht das Gerät auf dem Kopf, auslaufender Elektrolyt tropft also auf die Gehäuseschienen).

Ebenso zeigen sich hier an gleicher Stelle wie beim ersten Gerät die Überhitzungsschäden an der Leiterplatte. Ganz offenbar also ein Problem der gesamten Serie. Auf der Bestückungsseite befinden sich an den markierten Stellen jeweils Leistungstransistoren.

wie auch beim ersten Gerät war der Widerstand in der Konstantstromquelle durchgebrannt. Wie auch am anderen Gerät stimmten damit die Arbeitspunkte nicht mehr, ohne dass dieses gleich zu einem Totalausfall geführt hätte. Glücklicherweise hatte ich beim Bestellen des Ersatztransistors für das erste Gerät gleich einen weiteren mitbestellt.

Blick auf die Masseschiene nach Abnehmen der darüberliegenden Gehäuseschiene. Unten am Bildrand die Anschlüsse des Netzspannungswählschalters und der Gerätesicherung.

Da dieser Verstärker noch mit einem zweipoligen US-Netzkabel ausgestattet war, musste auch dieser auf einen für uns passenden Anschluß mit Schutzkontakt umgerüstet werden.

Ansicht nach erfolgter Montage des neuen Anschlußkabels. An den markierten Stellen mussten Änderungen durchgeführt werden: Montage des neuen Kabels mit Zugentlastung, Schutzleiteranschluß am Chassis, Anlöten der Leiter und Einschrumpfen der Lötungen mit Schrumpfschlauch.

Tausch der Siebelkos

Der Tausch der Siebelkos in der Stromversorgung gestaltete sich gleich wie beim ersten Gerät.

Ansicht des Nakamichi 620 nach Austausch der Siebelkos.

Ansicht auf die Anschlußwinkel der Siebelkos

Weitere Arbeiten

Peak-Power Indikatoren

Der Nakamichi 620 verfügt über fünf im großen äußeren Kühlkörper sichtbare Anzeigen: Betriebsspannung und für jeden Kanal einen zweifarbigen Peak-Power Indikator. Die Schaltpunkte, an denen die Peak-Power Indikatoren leuchten können über Schiebeschalter an der Geräterückseite gewählt werden:

grün: 1W-5W-25W
rot: 25W-50W-max

Bei diesem Gerät war die Glühbirne in der Power-Anzeige durchgebrannt, die Peak-Power Indikatoren eines Kanals funktionierten nicht mehr. Für die Ansteuerung dieser Indikatoren werden Operationsverstärker genutzt (im Lautsprechersignalpfad befinden sich ausschließlich Transistoren), hier war ein Austausch notwendig.

Ansicht auf die seitliche Platine zur Ansteuerung der Signallampen.

Überhitzte Transistoren

Wie bereits beim ersten Nak 620 beschloß ich auch hier die vier Leistungstransistoren auf die Lötseite zu montieren und mit Kühlkörpern zu versehen um weitere Überhitzung dieser Transistoren und der Leiterplatte zu verhindern. Das Diodenpaar D011 und D12 bei Q7 (im Bild markiert) mußte hierzu aus ihrer ursprünglichen Position auf der Leiterplatte verschoben werden.

Im Zuge dieser Umbauarbeit tauschte ich natürlich auch gleich die beiden Elkos auf den Verstärkerplatinen aus. Die Blanke Metallfläche des Kühlkörpers im Bild wird anschließend mit Wärmeleitpaste versehen und auf den großen (äußeren) Kühlkörper des Verstärkers geschraubt.

Ansicht der Verstärkers nach abgeschlossener Umbauarbeit

Ansicht der Geräterückseite nach Reinigung und Montage des Gehäuses.

Abschließende meßtechnische Kontrolle

Auch diesen Verstärker unterzog ich abschließend einer meßtechnischen Kontrolle mit der Arta-Software.

Zuerst der Frequenzgang bei 10 Watt Ausgangsleistung.

Der leichte Abfall an den Enden der Kurve ist meinem AD/DA-Wandler geschuldet – exakt die gleiche Kurve erhalte ich, wenn ich den Signalgenerator direkt – ohne Verstärker dazwischen – mit dem Meßeingang verbinde.

 

Klirrfaktor am linken Kanal bei 1 Watt Ausgangsleistung an 10 Ohm. THD= 0,0016%

Klirrfaktor am rechten Kanal bei 1 Watt Ausgangsleistung an 10 Ohm. THD= 0,0016%

Klirrfaktor am linken Kanal bei 10 Watt Ausgangsleistung an 10 Ohm. THD= 0,00077%

Klirrfaktor am rechten Kanal bei 10 Watt Ausgangsleistung an 10 Ohm. THD= 0,00078%

Durchgeführte Arbeiten

Um einen Überblick darüber zu erhalten, was für einen Aufwand eine derartige Instandsetzung bedeutet, notierte ich meine Bastelzeiten und Tätigkeiten.

Ausgeführte Tätigkeiten und Zeitaufwand

  • Austausch und Anschluß Netzteilelkos an Masseschiene, Herstellung Montagewinkel
  • Austausch Elkos in der Elektronik
  • Austausch Netzanschlusskabel
  • Herstellung Schutzleiteranschluss am Gehäuse
  • Kontrolle der Schleifenimpendanzen
  • Instandsetzung Ruhestrom Endstufenplatine
  • Montage Kühlkörper für 4 Vorstufentransistoren
  • Austausch Glühbirne Power-Indikator
  • Reparatur Peak-Anzeige (IC)
  • Arbeitspunktkontrolle
  • 3h Dauertest mit 20 Watt
  • Kontrolle Frequenzgang und Klirrfaktor bei 1W und 10W
  • Reinigung des Gehäuses

Insgesamt benötigte ich 14:45h für die Instandsetzung des ersten Verstärkers. Die passenden Quellen für die Teile hatte ich bereits, auch war die Schaltung und die Vorgehensweise zur Befestigung der Siebelkos jetzt bereits bekannt.